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Du bist nur so groß, wie die Träume, die du wagst zu leben!

 

... und eines schönen Tages als ich gerade dabei war, mein Abi zu machen, und noch nicht ganz so groß war wie heute, beschloss ich, die Zeit bis zum Studium "irgendwie sinnvoll" zu nutzen. Und wie das bei achtzehnjährigen, gerade der Pubertät entwachsenen Mädchen so ist, beschloss ich meinen Träumen freien Lauf zu lassen und das Wagnis "Ausland" in Angriff zu nehmen. Wobei das natürlich leichter gesagt als getan ist, und da weder Geld noch Arbeit einfach so auf der Straße liegen, führte mich mein erster Weg zu dieser beliebten Institution deutscher Bürokratie, die damals noch nicht Agentur sondern einfach Arbeitsamt hieß. Tatsächlich gab es dort einen schier unermessliche Pool an Auslandsstellens, so dass ich mich zuerst einmals entscheiden musste, wo die Reise eigentlich hingehen sollte. Um das ganze in vernünftigen Relationen anzugehen, wurde die Suche zunächst einmal auf Europa begrenzt. Da ich mich nicht so richtig auf meine Grundkenntnisse aus einem Jahr Spanischunterricht verlasen wollte, blieb die Möglichkeit, es im englisch- oder französischsprachigen Ausland zu versuchen.

Also hatte ich mir je eine Stelle in Frankreich, England und Irland herausgesucht, und da kam mir die nette Beamtin vom Arbeitsamt zu Hilfe: Sie wählte die Telefonnummer, die unter dem ersten Angebot stand und reichte mir den Hörer... Zugegeben, ich war ziemlich verdutzt als mich eine männliche Stimme auf deutsch begrüßte! In unserem längeren Gespräche machten wir aus, dass ich dem Hotel meinen Lebenslauf per Fax zukommenlasse und sie sich dann wieder melden würden, was auch kurz darauf geschah: eine Zusage vom Imperial Hotel in Lisdoonvarna, Irland!

Zu dem Zeitpunkt blieben mir noch knapp vier Wochen bis zum Arbeitsbeginn und somit begann eine doch recht stressige Vorbereitungsphase. Frage 1 war natürlich, wo bitte schön ist Lisdoonvarna und wie komme ich da am besten hin? Also ging es schnurstracks zur Bibliothek (Internet hatten wir damals noch nicht zu Hause) und mit sämtlichen Irland-Reiseführern, die ich gefunden hatte, wieder zurück.

Karte Lisoonvarna

Lisdoonvarna ist also ein bekanntes Heilbad und besonders bekannt für das sogenannte "Matchmaker Festival", das jedes Jahr im September sehr, sehr viele Gäste aus Irland, Amerika und dem Rest der Welt anlockt. Das mild-feuchte Klima versprach keinen Sommer, wie ich bisher kannte und so kaufte ich neben meiner zukünftigen Arbeitbekleidung (also schwarzem Rock, schwarzen Schuhen und weißer Bluse) besser auch noch einen etwas wärmeren Pullover - was mittem im deutschen Sommer gar nicht so einfach war und leichte Zweifel in mir hochsteigen lies. Diese wurden aber sehr schnell wieder zerstreut, denn es kam der Moment, als ich mit meinen Eltern über meine Pläne sprach. Ich saß also an einem wunderschönen Sommertag in unserem lichtdurchfluteten Wohnzimmer auf dem Sofa und hörte meinen Paps sagen "Manchmal hast du Ideen wie ein Frosch". Und genau in diesem Moment sagte der rebellische, ja fast schon "erwachsene" Teil in mir, jetzt erst recht!

Nachdem ich also den "elterlichen Segen" erhalten hatte, musste noch die Anreise geklärt werden, und da mir über 2000 Kilometer mit Bus & Bahn dann doch etwas gewagt erschienen, war recht schnell der Entschluss gefasst, meine erste Flugreise in Angriff zu nehmen. Da ich seit fast einem Jahr einen Nebenjob an der Kasse eines größeren Supermarkt hatte sollte dies auch finanziell machbar sein, zumal ich dann ja auch weiterhin Geld verdienen würde. Als ich aber die ersten Preise gesehen habe, hat es mich - wahrscheinlich einfach aus Unwissenheit - fast umgehauen. Also ging ich in's Reisebüro meines Vertrauens, wo ich mich für einen Flug Düsseldorf - Shannon - Dublin - Düsseldorf und dem dazugehörigen Rail&Fly-Ticket der Bahn entschied.

Die verbliebene Zeit verging selbst wie im Flug und ehe ich mich versah, war der 7. August gekommen und das Abenteuer begann...

Morgens um vier hieß es nun zum ersten Mal für eine längere Zeit Abschied zu nehmen, von daheim, von meinen Eltern, von meinen Freunden. Und als ich dann so allein im Zugabteil saß und "meiner Zeit in Irland" entgegen fuhr, dachte ich noch einmal für einen Moment, am nächsten Bahnhof gibt es ja sicherlich die Möglichkeit, in den nächsten Zug zurück zu steigen.... Doch mit jeder Minute kam ich Irland ein Stückchen näher und die Sonne bahnte sich langsam ihren Weg über den Horizont und kündigte einen strahlenden Sommertag an.

Gegen Mittag kam ich in Düsseldorf an und hatte noch etwa eineinhalb Stunden Zeit bis zum Abflug, den ich auch wider aller Erwartungen problemlos erreichte. Und dann habe ich mein erstes Essen über den Wolken genossen - in aller Eile, denn schon eine Stunde später setzte der Flieger in Shannon wieder zur Landung an. Und nachdem ich auch mein Gepäck ohne Probleme wieder bekommen habe, stellte sich mir am Ausgang nur noch ein Frage: Was heißt eigentlich "Taxi" auf englisch?!?

Auf das naheliegenste bin ich in diesem Moment natürlich nicht gekommen und so fragte ich nach einem "cab". Der nette Fahrer schnappte sich meinen Koffer und während er ihn im Kofferraum verstaute, wartete ich schon geduldig vor der Tür und wußte im ersten Moment gar nicht, warum er mich so entgeistert anstarrte. Doch beim Blick ins Wageninnere wurde mir bewußt, dass ich mich ja schließlich in Irland befand, und da ich dann doch dem Taxifahrer das Fahren überlassen wollte, ging ich zur Beifahrerseite und los ging die Fahrt zum Imperial Hotel in Lisdoonvarna!

 

Fortsetzung folgt....

 

last update: 10.06.2007 4:55 PM

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